11 Kulturerbe
Böller

Die Böllergruppe
der Kgl. priv. Feuerschützengesellschaft Passau - von 1379

Der Grundstein zum Aufbau und Gründung einer Böllergruppe bei den Feuerschützen wurde
bereits im Jahr 1982 gelegt. Siegi Schneider bekam einen Bauplan für einen Handböller
in die Hand und fing sofort Feuer. Nur, der Bauplan alleine nützt auch nichts. Es muß nach
diesem Plan auch ein Böller gebaut werden. Dazu war allerdings ein Metallfuchs erforderlich.
So einer, wie es unser Hermann Neulinger war, der leider viel zu früh verstarb. Natürlich war
auch er sofort begeistert und machte sich schnellstens daran, den Plan in die Tat umzusetzen.
Es war dafür einige Freizeit zu opfern, um den ersten Passauer Handböller herzustellen.

Durch diesen Böller, der natürlich im Schützenhaus fachkundig begutachtet wurde, konnte das
Interesse bei vielen Feuerschützen am Böllerschießen geweckt werden. Nach vielem Hin und Her und Fragen über Fragen kam es dann im Dezember 1984 zur Gründung der Böllergruppe.
Damit waren die Passauer Feuerschützen die erste Schützengesellschaft in Niederbayern, die
die alte Tradition des Böllerschießens wieder aufleben ließ. Gut, ganz früher wurde in Passau
mit Musketen geschossen. Aber schon im 19. Jahrhundert tauchten die ersten Belege über das
“bellern” auf und 1881 stand es auch in der Zeitung.

Aller Anfang ist schwer. Die meisten hatten noch keinen Pulverschein. Genauso war es mit den
Böllern und der dazugehörigen Ausrüstung. Also es gab noch jede Menge Arbeit, bis das
erstemal gemeinsam geschossen werden konnte. Als Schußmeister wurde Herbert Bauer
gewählt. Hermann Neulinger setzte sich an seine Drehbank und baute weitere Böller. Ein Teil
der Mannschaft kaufte sich Böller. Auf Grund der großen Zahl von Prüfungswilligen wurde beim
Gewerbeaufsichtsamt in München beantragt, die Sachkundeprüfung im Schützenhaus abzu-
nehmen. Die Prüfung war zwar nicht allzuschwer, aber einige haben trotzdem erleichtert “auf-
geschnauft”, als es überstanden war. Ein Problem war dann noch unsere Kluft. Sie sollte nicht
allzu teuer sein. Die alte Passauer Schützentracht war käuflich nicht zu erwerben und eine
Sonderanfertigung hätten wir uns nicht leisten können. Also einigte man sich auf Kniebund-
lederhose, Trachtenhemd rohweiß, weiße Wadelstrümpfe, Haferlschuhe, braunen Janker,
rotes Westerl und braunen Hut mit Quaste. Die Stadt Passau spendierte uns dazu auch einen
Zuschuß, weil wir ja was für die Tradition taten.

So, nun waren wir bestens ausgerüstet und konnten loslegen. Weit gefehlt. Wir benötigten noch
die sogenannte Schießerlaubnis. Da könnte ja jeder daherkommen und in der Gegend herum-
ballern. Zuständig für diese Genehmigung war die Regierung von Niederbayern. Und das
tolle war, wir erhielten als erste und einzige Böllergruppe in Niederbayern die Schießerlaub-
nis für den ganzen Regierungsbezirk.

Nun konnte es losgehen mit dem Repräsentieren und der Traditionspflege in Passau und
rundherum.

Erster offizieller Auftritt erfolgte bei der Maidult 1985, danach ging es bis zum heutigen Tag
Schlag auf Schlag. Geburtstage, Hochzeiten, Beerdigungen und Vereinsveranstaltungen
wurden umrahmt. Bereits im Jahr 1986 schossen wir erstmals am Rathausplatz und vom
Oberhaus das Christkindl an, diese Tradition wird jährlich am 24. Dezember am Rathausplatz
in Passau fortgesetzt. Die Böllergruppe umrahmt auch die Fronleichnamsprozession mit dem
Bischof von Passau. Hier wird beim Segen an den 4 Stationen vom Oberhaus aus mit der
dort stationierten großen Kanone geschossen. Alle unsere Aktivitäten zu schildern würde
den Platz sprengen.

Die Böllergruppe steht unter der Führung von Reinhold Resch: 0851/44388